Lean Management mit künstlicher Intelligenz

Lean Management mit künstlicher Intelligenz

Waldachtal, 01.10.2019

Digital erfasste Prozesse, optimiert mit Lean Management: Die Bewegungsdaten von Mitarbeitern werden mit mobilen Sensoren gemessen, die sie in einem Armband am Körper tragen. Eine aufwändige händische Aufnahme von Prozessdaten ist damit nicht mehr notwendig. Die auf Basis dieser Messungen entstandene fundierte Datenanalyse bietet zukünftig Ansatzpunkte für die Optimierung der Prozesse, die fischer Consulting mittels Lean-Management-Methoden erzielt.

 

fischer Consulting berät seit 15 Jahren Firmen und Behörden in Sachen Lean Management. „Unsere Prozessoptimierung bringt oftmals eine Kosteneinsparung im mehrstelligen Prozentbereich, die wir zum Beispiel durch die Einführung eines systematischen Kommunikationssystems oder durch eine optimierte Anordnung des Fertigungslayouts erzielen“, erläutert
Greschner. Je detaillierter die Basisanalyse hierfür ist, desto effektiver können die Berater gemeinsam mit ihren Kunden in methodisch aufgebauten Workshops deren Prozesse optimieren.

 

Um eine Basisanalyse aufzubereiten, wurden bislang händisch Tätigkeiten, Prozesszeiten und Laufwege ermittelt und ausgewertet. Diese manuelle Art der Erhebung ist sehr zeitaufwändig und kann qualitative Mängel aufweisen, weil sie nur punktuell und nicht über einen längeren Zeitraum erfolgt.

fischer Consulting suchte nach einer modernen und fundierteren Art der Datenerhebung, um die Qualität der Kennzahlen auf ein neues Level zu heben. Aus diesem Grund arbeitet das renommierte Beratungsunternehmen jetzt mit MotionMiners zusammen. Das Startup analysiert elektronisch manuelle Arbeitsprozesse und errechnet per Algorithmen objektive Prozesskennzahlen.

 

Das Pilotprojekt zur Kooperation der beiden Unternehmen fand bei fischer automotive systems statt. Der Automobilzulieferer ist wie fischer Consulting Teil der Unternehmensgruppe fischer, zu der auch die weltweit bekannten Befestigungssysteme zählen. fischer automotive systems fertigt Kinematikkomponenten für den Fahrzeuginnenraum von Autos der gängigen Automarken.

 

In der Montage am Stammsitz in Horb am Neckar erhielten einige Arbeiterinnen zu Beginn des Pilotprojekts die mit Sensoren ausgestatteten Armbänder. Während der Probephase wurden erste Bewegungsdaten ermittelt und Videos gedreht, um Algorithmen der späteren Datenanalyse zu generieren und anzulernen. Schließlich verrichteten die Mitarbeiterinnen für ungefähr fünf Tage ihre Tätigkeiten mit dem Armband. Die Erfassung der Daten erfolgte anonym, ohne Rückschlussmöglichkeit auf einzelne Personen. „Wir sind fasziniert, wie viele qualitativ hochwertige Daten in kurzer Zeit gesammelt wurden. Dies bietet die perfekte Basis für weitere Optimierungen“, sagt Christian Wurster, Leiter Produktionsverbund fischer automotive systems.

 

Verschiedene Algorithmen werteten im Anschluss die entstandenen Rohdaten aus. Das Ergebnis bot Kennzahlen über den Prozessablauf, Wegzeitanteile und Wartezeiten, aber auch aussagekräftige Grafiken wie Spaghetti-Diagramme oder Heatmaps. Die Berater von fischer Consulting können nun anhand dieser Informationen herausfinden, ob der Arbeitsplatz ergonomisch vorteilhaft gestaltet ist, ob die Laufwege effizient sind und wo sich Zeitfresser befinden, die eliminiert werden müssen. „Wir haben jetzt transparentere, fundiertere Daten zur Verfügung, die sehr detailreich zeigen, wo sich Ansatzpunkte befinden“, erklärt Greschner. Nicht nur die Mehrmaschinenbedienung, sondern auch Analysen zu Kommissionierprozessen oder Routenzügen im Logistikumfeld bieten großes Optimierungspotential. Als nächstes größeres Projekt steht die Analyse von Anlagenrüstvorgängen im Fokus.

 

Die MotionMiners GmbH ist eine Ausgründung des Fraunhofer-Instituts für Materialfluss und Technik. Das Start-up wurde 2017 gegründet. „Wir haben durch die Kooperation mit fischer Consulting die Möglichkeit, neue Ansätze zu verfolgen und freuen uns auf weitere gemeinsame Projekte“, sagt Gründer und Geschäftsführer Sascha Kaczmarek.